7. Szene (Alvin besiegt den Elch)

Der Nebel lag schwer über Tromsø wie ein nasser Pelz. Am Hafen ragte die massige Gestalt eines Elchs mit gewaltigen Schaufelhörnern aus dem Dunst. Er stellte Reisenden ein Rätsel und tötete alle, die es nicht lösen konnten. Arne, seit Haralds Tod König von Tromsø, hatte demjenigen seinen Thron und seine Schwester Hedda zur Frau versprochen, der den Elch besiegen konnte. Alvin kam näher an die Hafenkante. Zwei bernsteinfarbene Augen fixierten ihn.

Elch: Halt, Reisender! Keinen Schritt weiter, ehe du mein Rätsel gehört hast.“

Alvin: „Ich bin gekommen, um dein Rätsel zu hören – und es zu lösen. Tromsø soll nicht länger unter deinem Bann leiden.“

Elch: „So wisse denn:
Es ist am Morgen vierfüßig,
am Mittag zweifüßig
und am Abend dreifüßig.
Von allen Wesen wechselt nur es allein die Zahl seiner Füße,
und am Abend ist die Kraft seiner Füße verschwunden.‘
Welches Wesen ist das“

Alvin: (denkt einen Moment nach)
Du meinst den Menschen.
Am Morgen seines Lebens kriecht er auf Händen und Füßen.
Am Mittag seines Lebens geht er auf zwei Beinen.
Am Abend seines Lebens aber hat er keine Kraft mehr und stützt sich auf einen Stab – seinen dritten Fuß.“

Elch: (starrt Alvin lange an)
„Du hast recht. Viele kamen mit Mut, aber ohne Klugheit.
Du hast beides. Mein Fluch ist gebrochen.“

Alvin: „Dann lass die Menschen von Tromsø endlich in Frieden reisen.“

Elch: „Ein Schwur ist ein Schwur, und ein Ende ist ein Ende.“

Langsam wandte sich das große Wesen dem Wasser zu. Ohne einen weiteren Laut stieg der Elch in den Fjord. Die Oberfläche kräuselte sich – dann war er verschwunden.

Alvin (leise, zu sich selbst):
Tromsø ist befreit. Und nun führt mich mein Weg weiter… zu einem Schicksal, das ich nicht kenne und doch fürchte.“

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